„Baby & Business” - mit diesem Thema hat Jasmin Greco ihren FoundersTalk eröffnet. Und sie hatte ihr sechsjähriges Kind gleich mit dabei. Besser hätte der Abend kaum anfangen können.

Jasmin ist in einer Gastrofamilie aufgewachsen und hat sich für eine Ausbildung in der Hotellerie entschieden. Das passte für sie: eine offene, internationale Welt, in der viele Kulturen zusammenkommen. Und in der Englisch zur gemeinsamen Sprache wird. Dass sie mit ihrer Ausbildung gleich ins Schwarze getroffen hatte, merkte sie schnell.

In den Jahren danach hat sie viele Seiten der Hotellerie kennengelernt: Rezeption, Vertrieb, Assistenz der Geschäftsführung, Regionalleitung und Revenue Management. Spannende Aufgaben, bei denen sie viel gelernt hat. Aber irgendwann wurde ihr der Konzernrahmen zu eng. Es gab Ideen, die sie gern umgesetzt hätte - die aber nicht in die Struktur oder zum Brand passten.

Einen Abstecher in einen klassischen Bürojob hat sie auch gemacht. 36 Stunden, geregelte Abläufe, alle kamen und gingen pünktlich. Nur: Die Action fehlte. Ob etwas heute oder morgen erledigt wurde, machte kaum einen Unterschied. Ihr damaliger Chef brachte es schließlich auf den Punkt: Sie müsse zurück in die Hotellerie.

Ein Neuanfang in Belgien

Der Gedanke an die Selbstständigkeit war schon da. Dann wurde ihre Mutter schwer krank - und Jasmin war erst einmal mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Nach dem Tod ihrer Mutter zog sie nach Belgien. Dort holte sie ihren Businessplan wieder hervor und gründete 2014 i-Hotel Services.

Dass sie dafür in ein Land ging, dessen Sprache sie nicht sprach, passt zu Jasmin. Sie selbst nennt sich mutig. Menschen, die ihr nahestehen, würden vielleicht „dickköpfig” sagen. Über Messen, Netzwerktreffen und aktiven Vertrieb gewann sie bald die ersten Aufträge. Deutsch zu sein war dabei manchmal sogar ein Vorteil: „Ah, ihr könnt das.”

In Belgien erlebte sie außerdem ein Umfeld, in dem Frauen ermutigt wurden, ein Unternehmen zu gründen und Familie und Beruf zusammenzubringen. Das hat auch ihren Blick auf sich selbst verändert.

Harte Landung zurück in Deutschland

Als Jasmin Mutter wurde, kam sie während der Pandemie zurück nach Deutschland. Der Start hier fühlte sich für sie ganz anders an. Statt Ermutigung begegneten ihr Fragen und Zweifel: Wie wird das Kind betreut? Ob sie ihre Selbstständigkeit mit Kind überhaupt fortführen könne?

Ein Erlebnis ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Bei einem Autohändler wurde ihr ein Vertrag nicht zum Unterschreiben hingelegt. Stattdessen bekam sie ihn mit den Worten in die Hand gedrückt: „Das macht ja bestimmt Ihr Mann zu Hause.”

Das hat sie getroffen. Trotzdem machte sie weiter.

Jasmin erzählte auch von den schwierigen Phasen, die von außen oft nicht zu sehen sind. Von Überforderung und davon, sich irgendwann eingestehen zu müssen, dass es gerade nicht mehr geht. Einmal musste sie drei Tage akut ins Krankenhaus; ihr Kind wurde in der Zeit von Verwandten versorgt.

Wenn man Jasmin heute erlebt - selbstbewusst und voller Energie -, sieht man nicht unbedingt, was alles hinter ihr liegt. Aber genau das zu erleben finde ich bei den FoundersTalks immer so spannend: Egal wie erfolgreich die Wege von außen aussehen, sie sind trotzdem steinig und zwischenzeitlich schmerzhaft. Ich finde es wichtig, sich genau das immer wieder bewusst zu machen - du bist nicht falsch, nur weil es bei dir nicht sofort klappt - es ist völlig normal!

Heute hilft sie Hotels - und Frauen im Beruf

Mit i-Hotel Services unterstützt Jasmin private Hotels in ganz Europa: bei Strategie und Positionierung, Preispolitik, Vertrieb, Digitalisierung und weiteren Themen. Vieles davon kennt sie aus ihrer Zeit in der Hotellerie. Heute kann sie es freier und flexibler einsetzen.

Aus dem Soloprojekt ist inzwischen ein Team mit acht Mitarbeitenden und gut 30 Kunden geworden. Viele ihrer Mitarbeiterinnen kommen ebenfalls aus der Hotellerie. Sie können oder wollen aus persönlichen Gründen - zum Beispiel wegen ihrer Kinder - nicht mehr in das starre Arbeitszeiten-Modell passen.

Zusätzlich macht Jasmin inzwischen Female Career Mentoring. Der Kontrast zwischen Belgien und Deutschland hat sie dafür sensibilisiert, wie viel schwieriger Frauen hierzulande der Weg in die Selbstständigkeit und im Berufsleben gemacht werden kann. Da möchte sie ihre Energie einbringen.

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz

Auch über KI haben wir gesprochen. Jasmin sieht sie nicht als Gefahr und glaubt nicht, dass sie dadurch überflüssig wird. Im Gegenteil: Ihr Team nutzt KI, um mit den vorhandenen Mitarbeitenden mehr zu schaffen und die Arbeit besser zu skalieren.

Sie schätzt, dass KI höchstens 60 Prozent dessen übernehmen kann, was sie selbst macht. Für sie heißt das nicht, dass sie weniger gebraucht wird - sondern dass sie mit derselben Zeit mehr bewegen kann.

Ausprobieren, gute Menschen finden, dranbleiben

Zum Schluss gab Jasmin den Gästen mehrere Gedanken mit: ausprobieren, um herauszufinden, was einen wirklich packt; sich mit guten Menschen umgeben - für sie sind das vor allem Menschen mit ähnlicher Energie - und dranbleiben. Außerdem: Urteile nicht zu früh. Lass dich auf Dinge ein und probiere sie aus, bevor du entscheidest, ob sie zu dir passen.

Danke, Jasmin, für den offenen Abend - und für die Einblicke, die man von außen nicht sieht.