Ann-Katrin Gallinat war beim FoundersTalk im Oktober zu Gast und hat erzählt, wie sie zur Coachin geworden ist. Auf dem Tisch stand eine unscheinbare Kerze. Ich dachte noch: Ah, für die Stimmung. Am Ende hat sie die Kerze dann als Bild genutzt, und das hat mir ihr Herzensthema richtig klar gemacht.

Für Frauen, die mehr in sich tragen

Ann-Katrin ist Spiritual Business Coach und hilft Frauen, die sich selbstständig machen wollen. Ihre Beobachtung ist ziemlich simpel: Die meisten trauen sich einfach nicht. Viele kommen nach einem Burnout aus einem Job, der sie nie erfüllt hat.

Ihr Ansatz fängt beim Herzensthema an. Darauf bauen Vision und Ziele auf, die wirklich antreiben. Erst dann kommen Positionierung, Angebot und Sichtbarkeit. Ohne das Herzensthema läuft nichts, und das gilt auch für sie selbst.

Ann-Katrin Gallinat hält ihr Haus-Modell hoch: Herzensthema als Fundament, darüber Vision und Ziele

Foto: lindahener.com

Übrigens teilt Ann-Katrin Gründungswillige in drei Typen ein:

  • Die Hummeln: Der Wunsch ist da, aber wohin genau, weiß noch keiner. Also summen sie eher rum, statt loszufliegen.
  • Die Schildkröten: Die Idee ist da, aber der Kopf bleibt drin. Was denken die anderen denn? (Die anderen: Familie, Nachbarn, Freunde, …)
  • Die Flamingos: Sie sind schon draußen, stehen aber noch auf einem Bein. Davon leben können sie noch nicht, oder der Erfolg lässt sich noch Zeit.

Der Reihe nach: ihr Weg

Ann-Katrin hat erst Hotelfachfrau in München gelernt. Danach wollte sie vor allem reisen: ein Jahr Kanada, eineinhalb Jahre Australien, nebenbei in Hotellerie und Gastro jobben.

Schon damals gab’s Gegenwind. „Da hast du doch eine Lücke im Lebenslauf. Such dir erst mal einen richtigen Job.“ Sie wollte es anders machen. Ihr Antrieb war Freiheit: keinen Chef fragen müssen, ob sie Urlaub bekommt, wenn Reisen ein Herzenswunsch ist.

Zurück in Deutschland ging es wieder in die Hotellerie, erst Hamburg, dann Kitzbühel. Dort kamen teilweise 80-Stunden-Wochen zusammen, bei zu wenig Geld und wenig Wertschätzung. Auf Dauer ging das nicht.

Also BWL studiert und bei Ernst & Young in der Steuerberatung angefangen. Und das war für sie ein Schock: Leute ohne erkennbare Motivation, die 9to5 abreißen und mit dem Herzen nicht dabei sind. Das kannte sie so nicht, und es passte einfach nicht zu ihr.

Ein Workshop bei der Tobias Beck Public Speaking Academy hat sie ziemlich aus der Komfortzone geholt. Sie kam motiviert zurück und wusste genau deshalb: Hier bleibe ich nicht. 2018 hat sie sich selbstständig gemacht. Heute sagt sie, den Wunsch hat sie vermutlich schon zehn Jahre mit sich rumgetragen.

Dann hat sie wieder an die Gastro angeknüpft, mit Gastroberatung und dem ersten Gastro-Podcast in Deutschland. Dann kam das erste Kind. Die ersten drei Jahre waren hart: kaum Einkommen, Arbeit oft nachts, weil tagsüber die Familie Vorrang hatte. Irgendwie hat sie sich über Wasser gehalten.

Der nächste Schritt: Ausbildung zur Bob-Proctor-Coachin. Ein echter Leap of Faith, denn sie musste rund 30.000 Euro investieren. In den ersten zwei Monaten hat sie aber schon 20.000 Euro zurückverdient, und es fing an, Spaß zu machen. Es ging viel um Motivation, Ziele als Motor und Manifestieren.

Mit der Zeit merkte sie: Viele Kundinnen wollten eigentlich selbstständig sein, Motivation allein reicht aber nicht. Also baute sie das Business-Know-how auf, weil ihr Mindset-Wissen allein nach ihren Worten an Grenzen stieß. Sie wurde dafür selbst Mentorin in einem Business-Programm. Dort war sie teilweise zu 100 Prozent ausgelastet, musste nicht akquirieren und hatte ein stetiges Einkommen. In dieser Zeit kam das zweite Kind. Bequem war das Ganze, aber frei fühlte es sich nicht an, eher wie Angestelltsein mit anderem Briefkopf. Also wagte sie den Sprung zurück in die echte Selbstständigkeit.

Seitdem verbindet sie Business und Mindset. Als Spiritual Business Coach begleitet sie Frauen genau auf diesem Weg. Nebenbei arbeitet sie inzwischen auch in einem Nebenjob. Und das ist für sie völlig okay: Wer legt eigentlich fest, dass Selbstständige das nicht dürfen? Der Job bringt sie außerdem mit Menschen zusammen, die nicht in ihrer Bubble leben, und das tut ihr gut.

Zurück zur Kerze

Ein Baby kommt auf die Welt, und niemand fragt, was aus diesem Menschen mal werden soll. Man freut sich einfach, dass er da ist. Das Licht ist ungefiltert.

Später wird die Kerze in ein Windlicht gestellt, und jemand klebt Krepp über das Glas. Das Licht ist immer noch da, leuchtet aber nicht mehr so frei. Glaubenssätze und Erwartungen legen sich drüber, von anderen und von einem selbst. Man soll ja gar nicht man selbst sein.

Genau dieses Krepp will Ann-Katrin Frauen helfen zu entfernen, damit sie wieder leuchten. Eigentlich wollte sie das Bild an dem Abend gar nicht bringen, hat sie mir verraten. Dann kam aber eine Frage, und sie hat es doch rausgeholt. Ein Bild, das hängen bleibt.

Was sie den Gründerinnen mitgegeben hat

  • Die Zeit gehört dazu. Bis Selbstständigkeit funktioniert, vergehen oft ein bis drei Jahre. Diese Zeit muss man sich geben.
  • Perfektionismus ist nur Aufschieben im schickeren Kleid. Ihr Satz dazu: „Perfectionism is just procrastination in a nicer dress.“
  • Nach Niederlagen wieder aufstehen. Es gab viele Morgen, an denen sie sich selbst etwas zwingen musste. Das gehört dazu.
  • Es ist eine Reise. Viele Kundinnen kommen mit der Erwartung, dass Selbstständigkeit von null auf hundert klappt. Der Erfolgsdruck ist dadurch riesig.
  • Scheitern muss erlaubt sein. Wer gründet, muss bereit sein, auch mal auf die Nase zu fallen.
  • Ein Umfeld, das trägt. Man braucht Leute, die den Weg kennen, einen in dunklen Phasen wieder aufrichten und idealerweise selbst schon gegangen sind. Deshalb führt sie mit ihren Kundinnen einen Morning Call ein, der beim Aufrichten und Fokussieren für den Tag hilft.
  • Ehrlich sein. Wer nur sagt „Läuft alles super“, kommt nicht weiter. Mit solchen Gesprächspartnern muss man gar nicht erst reden.

Danke, Ann-Katrin, für die Offenheit, die Ehrlichkeit und das Bild mit der Kerze. Es leuchtet noch nach :-)