
Der letzte FoundersTalk war wieder so ein Abend, der einem lange im Kopf bleibt. Zu Gast waren Marina und Daniel von Zeitwerk Design – und ihre Geschichte ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, dass das Unternehmertum nicht immer mit einem Masterplan beginnt. Manchmal stolpert man einfach rein.
2016 haben die beiden – mit Hintergrund in Schreinerei und Innenarchitektur – Möbel für Freunde und Familie gebaut. Einfach, weil sie Lust drauf hatten. Irgendwann kam dann der Gedanke: Mit einer USt-ID könnte man günstiger einkaufen. Kein großer Businessplan, eher ein pragmatischer Schritt. Rückblickend: der erste Schritt ins Kommerzielle.
Fast zeitgleich hatten Sie Glück: Ihre Möbel – zu Anfang vor allem eine Posterleiste – kamen auf Instagram extrem gut an. Damals, als Social Media noch deutlich mehr aus echtem Nutzer-Content bestand, fand eine Influencerin ihre Arbeit gut, und multiplizierte nicht nur die Posterleiste sondern kaufte einen Waschtisch – und postete fleißig. Zeitwerk bekam auf einzelne Bilder mehrere tausend neue Follower. Reichweite, Aufmerksamkeit, Nachfrage – plötzlich ging da richtig was. Um dem gerecht zu werden mieteten Sie die erste kleine eigene Werkstatt und Daniel wurde Vollzeit-Schreiner.
2019 kam dann der nächste große Schritt: In Tauberbischofsheim suchte eine Schreinerei einen Nachfolger. Marina und Daniel wollten sowieso aus dem Keller raus – also haben sie den Mietvertrag für die Fläche und die Mitarbeiter übernommen. Damit kamen aber auch ganz andere Dimensionen, denn auch die Maschinen wurden übernommen und weitere Investitionen wurden nötig.
Der Übergang vom Hobby über Teilzeit hin zur Vollzeit-Selbstständigkeit mit Angestellten ging also schleichend. Dies war keine geplante Reise. Vieles ist passiert, weil sich Chancen ergeben haben – aber auch weil Marina und Daniel sie konsequent genutzt haben. Und natürlich auch, weil Sie Unterstützung aus der Familie hatten, denn gleichzeitig waren Sie auch junge Eltern (und Marinas Mutter war auch beim Founders Talk dabei).
Dann kam Covid. Hart, keine Frage. Aber gleichzeitig auch ein unerwarteter Push: Menschen verbrachten plötzlich viel Zeit auf Instagram, richteten ihre Wohnungen neu ein und bestellten Möbel online. Zeitwerk lieferte bundesweit per Spedition, hatte gleichzeitig immer wieder große Einzelaufträge – komplette Häuser, individuelle Lösungen. Eine Mischung aus Online-Geschäft und klassischem Handwerk.
Natürlich lief nicht alles glatt. Fördergelder für neue Maschinen ließen auf sich warten, Zwischenfinanzierungen über den Kontokorrent waren teuer. Viele schlaflose Nächte, viel Bürokratie, vieles, was man sich selbst erarbeiten musste (keiner der beiden hat einen kaufmännischen Hintergrund). Und trotzdem sind sie drangeblieben.
Spannend fand ich auch, wie offen sie über das Thema Struktur gesprochen haben. Lange Zeit lief vieles irgendwie (Mails, Excel, Fresszettel) – aber mit viel Einsatz meisterten sie das Chaos. Erst 2023 kam ein einheitliches IT-System, das zum ersten Mal wirklich Überblick über Aufträge und Materialflüsse brachte. Weniger Bauchgefühl, mehr System. Ein Prozess, der bis heute nicht abgeschlossen ist.
Stand heute wirken Marina und Daniel zufrieden. Nicht, weil alles perfekt ist – Herausforderungen gibt es genug –, sondern weil sie gestalten können. Ihr Ziel: So viel Urlaub wie möglich mit ihren Kindern.
Für die nächsten Schritte suchen sie bewusst den Austausch: Netzwerke, Coaching, Formate wie Female Foyer Würzburg oder der BVMW. Ich hatte das klare Gefühl: Sie wollen lernen, reflektieren, besser werden.
Auch beim Thema KI waren sie offen und neugierig. Das Schreinerhandwerk bleibt Handwerk – da sehen sie keine Gefahr. Aber alles, was Planung, Organisation und Abläufe erleichtert, finden sie spannend. Eine sehr entspannte, realistische Haltung.
Unterm Strich war das für mich wieder einer dieser Abende, die zeigen, wie Unternehmertum oft wirklich läuft: Man stolpert hinein, hat an der einen oder anderen Stelle Glück – erkennt aber Chancen, packt sie, hält durch und steht irgendwann an einem Punkt, an dem man sagen kann: Wow!
Mit über 30 Leuten und vielen spannenden Fragen in lockerer Atmosphäre war das mal wieder ein richtig toller Abend. Danke Marina und Daniel!
